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Rettungsweg
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Rettungsweg ist ein Begriff aus dem baulichen Brandschutz. Er bezeichnet den Zugang fĂŒr die EinsatzkrĂ€fte, der fĂŒr BrandbekĂ€mpfung, Rettung oder Verletztenbergung stets freigehalten werden muss. Ăber einen Fluchtweg können sich die Bewohner oder Besucher aus einem GebĂ€ude selbst in Sicherheit bringen (Selbstrettung).
Feuerwehrzufahrten im Sinne der StraĂenverkehrsordnung (StVO) befinden sich auf öffentliche StraĂen, Wegen und PlĂ€tzen. Vor und in amtlich gekennzeichneten Feuerwehrzufahrten ist gem. § 12 Abs. 1 Nr. 5 StVO das Halten unzulĂ€ssig. Dasselbe gilt fĂŒr Haltverbote (Z. 283) mit den Zusatzzeichen âRettungswegâ oder âFeuerwehranfahrtszoneâ. Auf Privatgrund kann in Bayern des Weiteren das Zusatzzeichen âAnfahrtszone fĂŒr Feuerwehr â § 22 VVBâ aufgestellt werden.
Contents
âą Begriff
âą Notausstieg
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Begriff
An Rettungswege stellt das Baurecht Anforderungen an die bauliche AusfĂŒhrung wie Rauchabschnitte in Fluren, an die Brennbarkeit der zu verwendenden Baustoffe und an den Feuerwiderstand der raumabschlieĂenden Bauteile und der ĂffnungsverschlĂŒsse zu anderen RĂ€umen oder Nutzungseinheiten. Der erste Rettungsweg ist der Teil des Fluchtweges, der bauordnungsrechtlichen Anforderungen entspricht. In Sonderbauvorschriften wie der Muster-Richtlinie ĂŒber den baulichen Brandschutz im Industriebau, der Musterverordnung ĂŒber den Bau und Betrieb von VersammlungsstĂ€tten sowie der Muster-Verordnung der Fachkommission âBauaufsichtâ der ARGEBAU ĂŒber den Bau und Betrieb von VerkaufsstĂ€tten werden auch GĂ€nge innerhalb der Nutzungseinheit als Rettungsweg bezeichnet.
Mit den Rettungswegen sollen zwei in den Bauordnungen definierte Schutzziele zum Brandschutz erreicht werden: im Brandfall die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten zu ermöglichen (vgl. § 14 MBO).
In Deutschland und Ăsterreich liegt das Bauordnungsrecht in der Gesetzgebungs-Kompetenz der BundeslĂ€nder. Alle LĂ€nder haben dementsprechend eigene Bauordnungen erlassen, deren Vorschriften zu den Rettungswegen aber weitgehend einheitlich sind. In Deutschland orientieren sie sich an der MBO, auf die im folgenden Bezug genommen.
§ 14 MBO definiert die Schutzziele fĂŒr den Brandschutz in baulichen Anlagen, wonach u. a. die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sein mĂŒssen (der Begriff der Rettung beinhaltet auch die Selbstrettung (Flucht)). AuĂerdem muss der Ausbreitung von Feuer und Rauch vorgebeugt werden.
Aufgrund dieser Schutzzieldefinition stellen die Bauordnungen Anforderungen an die Anzahl und die Beschaffenheit der Wege aus einem GebĂ€ude ins Freie, eben die Rettungswege. Gleichzeitig stellen sichere AusgĂ€nge auch sichere ZugĂ€nge dar, die die Feuerwehr fĂŒr wirksame Löscharbeiten braucht. Die Anforderungen an die Rettungswege bez. Anzahl und Art werden in § 33 MBO festgelegt. Die baulichen Vorschriften zu den Rettungswegen (auf welche Weise der Ausbreitung von Feuer und Rauch vorgebeugt werden muss) finden sich in den §§ 34 â 38 MBO, gemeinsam mit weiteren Anforderungen an Treppen, TreppenrĂ€ume, AusgĂ€nge, Flure, Fenster, TĂŒren und Umwehrungen (den Bauteilen also, die Teil eines Rettungswegs sein können).
Formell unbeachtet bleiben in diesen Vorschriften die sog. Sonderbauten (Schulen, KrankenhĂ€user, VersammlungsstĂ€tten, HochhĂ€user etc., vgl. § 2 Abs. 4), an die nach § 51 in der Baugenehmigung besondere Anforderungen gestellt werden können. Ausdruck dessen sind die vielen Sonderbauvorschriften, die in den meisten LĂ€ndern bauaufsichtlich eingefĂŒhrt sind (Industriebaurichtlinie, VersammlungsstĂ€ttenrichtlinie, Garagenverordnung etc.)
In den §§ 34 - 36 werden die Begriffe ânotwendige Treppeâ, ânotwendiger Treppenraumâ und ânotwendiger Flurâ âder Raum zwischen dem notwendigen Treppenraum und dem Ausgang ins Freieâ eingefĂŒhrt. Damit werden die Bauteile bezeichnet, ĂŒber die ein (in der Regel der erste, baulich ausgefĂŒhrte) Rettungsweg fĂŒhrt. Die weitere Bedeutung dieser Begriffe liegt in der Bestimmung, dass jede Nutzungseinheit, die keinen Ausgang zu ebener Erde und direkt ins Freie hat, ĂŒber bauliche Rettungswege erreichbar sein muss. Nach diesen Vorschriften ist z. B. eine einschiebbare Treppe als notwendige Treppe unzulĂ€ssig, wodurch ein so erschlossenes Dachgeschoss keine AufenthaltsrĂ€ume enthalten darf.
Zentrales Element des § 33 MBO ist die Forderung nach zwei voneinander unabhĂ€ngigen Rettungswegen ins Freie fĂŒr jede Nutzungseinheit (z. B. Wohnung, Praxis, Laden etc.) mit AufenthaltsrĂ€umen (RĂ€ume, die nicht nur zum vorĂŒbergehenden Aufenthalt von Menschen bestimmt oder geeignet sind). Voneinander unabhĂ€ngig bedeutet, dass bei Ausfall des ersten Rettungsweges der zweite davon nicht betroffen ist. Diese Forderung wird jedoch durch das ZugestĂ€ndnis eingeschrĂ€nkt, dass beide Rettungswege innerhalb eines Geschosses ĂŒber denselben notwendigen Flur fĂŒhren dĂŒrfen. FĂŒr alle nicht ebenerdig gelegenen Geschosse muss der erste Rettungsweg ĂŒber eine notwendige Treppe fĂŒhren. Der zweite Rettungsweg darf ĂŒber die RettungsgerĂ€te der Feuerwehr fĂŒhren (tragbare Leitern oder Hubrettungsfahrzeuge bzw. Drehleitern). FĂŒr Nutzungseinheiten, bei denen von jeder Stelle eines Aufenthaltsraumes mindestens ein Ausgang ins Freie in höchstens 35 m Entfernung erreichbar ist, ist kein baulicher Rettungsweg erforderlich.
Definitionen Fluchtweg und Rettungsweg:
Ein Fluchtweg ist ein durch entsprechende Piktogramme gekennzeichneter kĂŒrzester Weg ins Freie, den man selbst ohne fremde Hilfe benutzen kann. Ein Rettungsweg ist ein Fluchtweg, den man mit Hilfe von RettungskrĂ€ften beschreiten kann, oder eine Stelle der Nutzungseinheit, der von der StraĂe aus von der Feuerwehr âangeleitertâ werden kann.
Eine Technik- oder LĂŒftungszentrale wird in der Regel keine eigene Nutzungseinheit sein. Wird dort aber ein stĂ€ndiger Aufenthaltsraum, z. B. der Arbeits-/Schreibplatz des Hausmeisters, eingerichtet, greifen die Vorschriften ĂŒber Rettungswege wieder.
Brandlasten in Rettungswegen
Neben den Festlegungen zum Brandverhalten der tragenden Bauteile wie WĂ€nden und Decken stellen die Bauordnungen auch Anforderungen an Wand- und Deckenbekleidungen sowie FuĂbodenbelĂ€ge.
So z. B. die Musterbauordnung in § 35 Abs. 5:
In notwendigen TreppenrĂ€umen und in RĂ€umen nach Absatz 3 Satz 3 mĂŒssen 1. Bekleidungen, Putze, DĂ€mmstoffe, Unterdecken und Einbauten aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen, 2. WĂ€nde und Decken aus brennbaren Baustoffen eine Bekleidung aus nichtbrennbaren Baustoffen in ausreichender Dicke haben, 3. BodenbelĂ€ge, ausgenommen Gleitschutzprofile, aus mindestens schwerentflammbaren Baustoffen bestehen.
sowie in § 36 Abs. 6:
In notwendigen Fluren sowie in offenen GĂ€ngen nach Absatz 5 mĂŒssen 1. Bekleidungen, Putze, Unterdecken und DĂ€mmstoffe aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen, 2. WĂ€nde und Decken aus brennbaren Baustoffen eine Bekleidung aus nichtbrennbaren Baustoffen in ausreichender Dicke haben.
Rechtsprechung und Literatur leiten aus diesen Aussagen in Verbindung mit dem § 14 MBO (allgemeines Gebot zum vorbeugenden Brandschutz und der Ermöglichung von Personenrettung und Löscharbeiten) vielfach ab, dass die Rettungswege auch weitgehend von Möbeln und anderen Objekten freizuhalten seien, die eine zusÀtzliche Brandlast darstellen.
âą Fachartikel Panik- und NotausgangsverschlĂŒsse fĂŒr TĂŒren erschienen im FeuerTRUTZ Magazin fĂŒr Brandschutz-Fachplaner, Mai 2017.
Ausnahmen werden im Rahmen von Einzelfallbetrachtungen fĂŒr möglich erachtet: Brandlasten sind in begrenztem MaĂe zulĂ€ssig, wenn ein GebĂ€ude ĂŒber zwei voneinander unabhĂ€ngige bauliche Rettungswege verfĂŒgt und die zusĂ€tzliche Brandlast sich auf einen der beiden Rettungswege beschrĂ€nkt. Eine Brandmeldeanlage kann fĂŒr zusĂ€tzliche Sicherheit sorgen.cite-ref-1[1]
Notausstieg
Bei einer FassadendĂ€mmung im Rahmen einer Altbausanierung bis zu 15 cm dicken Polystyrol-Platten besteht keine baurechtliche ĂberprĂŒfung des Brandschutzes (anschlieĂend Flucht- und Rettungswege).cite-ref-2[2] Durch die WĂ€rmedĂ€mmung bzw. gedĂ€mmte RollladenkĂ€sten könnte lichte Breite des Fensters, die als Notausstieg ursprĂŒnglich geplant wurde, verengt werden.
Allgemein gilt: âFenster, die als Rettungswege ⊠dienen, mĂŒssen im Lichten mindestens 0,90 m Ă 1,20 m groĂ und nicht höher als 1,20 m ĂŒber der FuĂbodenoberkante angeordnet sein.â (§ 37 Abs. 5 MBO). In den einzelnen BundeslĂ€ndern gibt es Abweichungen der Dimensionen, z. B. in Bayern 0,60 Ă 1,00 m. In Baden-WĂŒrttemberg und Hamburg gibt es keine festgelegte GröĂe, dort sollten die MindestmaĂe nach MBO verwendet werden.
Rettungswege auf Veranstaltungen
FĂŒr Veranstaltungen gibt § 7 der Muster-VersammlungsstĂ€ttenverordnung (MVStĂ€ttVO) Abmessungen fĂŒr Rettungswege vor. Dabei wird nach Art, Lage und spezifischen Besonderheiten der VersammlungsstĂ€tte unterschieden.
Die folgenden MaĂe sind verpflichtend vorgegeben:cite-ref-3[3]
| Kategorie | Breite |
|---|---|
| Freiluftveranstaltungen und Sportstadien | 1,20 m je 600 Personen |
| VersammlungsstÀtten | 1,20 m je 200 Personen |
| RĂ€ume mit max. 200 Personen | 0,90 m |
| Arbeitsgalerie | 0,80 m |
Weblinks
âą FlĂ€chen fĂŒr die Feuerwehr (Technische Baubestimmung / DIN 14090) Merkblatt, Main-Taunus-Kreis, Stand: September 2005.
âą DIN 14090 | 2024-02 FlĂ€chen fĂŒr die Feuerwehr auf GrundstĂŒcken
Einzelnachweise
cite-note-11. â Andreas Plum: Brandlasten in Rettungswegen, Grundlagen fĂŒr Einzelfallbetrachtungen, Brandschutz-Tagung 2016, Stand 1. Mai 2016; BFT Cognos GmbH, Aachen
cite-note-22. â Technische Regeln fĂŒr ArbeitsstĂ€tten â Fluchtwege und NotausgĂ€nge (ASR A2.3) Ausschuss fĂŒr ArbeitsstĂ€tten â ASTA-GeschĂ€ftsfĂŒhrung â BAuA, Stand MĂ€rz 2022; Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Dortmund
cite-note-33. â MVStĂ€ttVO 2014: § 7 Bemessung der Rettungswege (Memento vom 9. November 2018 im Internet Archive) â abgerufen am 9. November 2018